Dann doch lieber zur Fachwerkstatt

Opel Astra H CaravanEs kommt ja zum Glück eher selten vor, dass dem eigenen Auto das Licht ausgeht. Aber bei dem, was man im Anschluss tut, um den Defekt wieder reparieren (zu lassen), kann man viel Zeit, Geld und Nerven sparen.

Auf der Fahrt zurück vom Training bemerkte mein Sohn, dass der Bordcomputer etwas Neues zu vermelden hatte. Das Abblendlicht auf der Beifahrerseite war defekt und sollte ausgetauscht werden, so die Meldung im Display. Erstmalig nach 4-½ Jahren und 114.000km hauchte einer der Scheinwerfer sein Licht aus. Natürlich wollte ich nicht lange nur einäugig herumfahren und so fuhr ich am darauffolgenden Montag in der Mittagspause zu ATU (Autoteile Unger).

Telefonisch fragte ich knapp zwei Stunden vorher nach einem Termin. Der Tausch der Glühlampen am Opel Astra H sei gar kein Problem. Das ginge schnell und einfach und kann ohne Termin erledigt werden. Ich solle einfach vorbei kommen, gerne auch in der Mittagszeit.
Und das tat ich dann auch. Es war kurz vor 13Uhr, als ich auf den Hof der ATU Filiale in Brilon fuhr. Im Laden waren noch zwei Kunden und nach einer sehr kurzen Wartezeit fragte mich einer der Angestellten nach meinem Anliegen. Ich erklärte, dass ich kurz vorher angerufen hatte und worum es geht. Von einem Telefonat wüsste er nichts, aber er könne mir ja schon einmal die möglichen Ersatzlampen zeigen. – Die Kollegen in der Werkstatt seien übrigens alle gemeinsam in der Mittagspause. Warum mir am Telefon eine ganz andere Aussage getroffen wurde, wobei der Herr am Telefon sich klar als Mitarbeiter der Filiale Brilon zu erkennen gab, konnte er mir nicht beantworten.
Bei den Lampen angekommen zeigte er mir dann so einiges aus dem reichhaltigen Sortiment. Angefangen von 50% mehr Lichtleistung bis hin zu 100% mehr Lichtausbeute im Gegensatz zu den Originalleuchten. Dazu verschiedene Hersteller, verschiedene Farben und und und.

Im Internet hatte ich mich vorher schon etwas informiert und wusste, dass sich die Lebensdauer der Glühlampen verkürzt, je heller sie leuchten, da bei hellerem Licht der Glühfaden entsprechend dünner ist und schneller durchbrennt. Da ich mit der Helligkeit der originalen Leuchten nicht unzufrieden war, fragte ich nach dem Preis für die „dunkelsten“ Lampen. Das waren die mit der 50%-  höheren Leuchtkraft und pro Stück sollten ich dafür 13,95 Euro gezahlt werden. Auch wenn nur eine Lampe am Auto defekt ist, so müssten beide getauscht werden, da es sich ja nicht um die originalen Opel-Lampen handelt. Zusätzlich käme dann noch der Arbeitslohn für den Austausch der Lampen dazu.

Am Telefon war ja die Rede davon, dass es beim Astra völlig unkompliziert sei, die Lampen zu tauschen. Daher machte ich mir keine großen Sorgen, dass die Kosten für den Arbeitslohn großartig aus dem Ruder laufen würden.
Da ich zuhause schon geprüft hatte, ob und wie man an die Halterungen für die Lampen kommt, wusste ich, dass dies nur unter großem Aufwand über den Motorraum zu erledigen ist. Im Internet war davon die Rede, dass man durch den Radkasten an die Halterungen heran kommt. Eine Klappe muss entfernt werden und dann kommt man einfach und ohne viel Schrauberei an die Lampen heran.
Dem Mitarbeiter von ATU habe ich diese Informationen natürlich vorenthalten, da ich wissen wollte, ob die Aussage am Telefon wohl auch in der Praxis Bestand hat. Wir gingen also zum Parkplatz, wo ich die Motorhaube öffnete. Der gute Mann bekam große Augen, schaute hier, schaute da und sagte dann, dass man doch einiges Demontieren müsse, um die Lampen tauschen zu können. Ich ahnte dabei schon, dass das sicher nicht bei fünf Minuten bleiben wird und einiges an Kosten nach sich zieht.

Bild Andreas Jacob via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Ich verweis auf die Aussage am Telefon bezüglich des unkomplizierten und schnellen Austauschs der Lampen. Er wiederholte, dass er von einem Telefonat nichts wüsste. An der Stelle brach ich die Aktion dann ab, da ich hier am Ende ganz sicher mit nicht unerheblichen Kosten rechnen konnte. Wer weiß, was man seitens ATU alles am und im Auto zerlegt hätte, um die Lampen auszutauschen. Zudem hatte ich gar nicht die Zeit, um darauf zu warten. Ich entschied mich, obwohl ich mir sicher war, dass es dort noch teurer würde, den freundlichen Opel-Händler in Brilon aufzusuchen. Die Filiale lag nicht sehr weit entfernt und so wollte ich einfach einmal nachfragen, wie hoch die Kosten dort sind.

Vor Ort angekommen, war ich mehr als nur positiv überrascht. Der Werkstattmeister bezifferte die Kosten für den Austausch der Lampe auf 12,95 Euro und zwar inklusive Arbeitslohn. Es würde auch nur die defekte Lampe getauscht, da man über die originalen Leuchtmittel verfüge. Natürlich bot man mir auch hellere Lampen an, aber das lehnte ich dankend ab. Ich könne jederzeit vorbei kommen, allerdings nicht in der Mittagszeit, da die Mechaniker zu der Zeit nicht arbeiten.
Eine klare Aussage zu Preis und Leistung.

Was lernen wir daraus?
Die Fachwerkstätten sind nicht (immer) teurer, als freie. Sie sind vielfach flexibler und günstiger, da man hier auf originale Ersatzteile zurückgreifen kann. Zumal ist man bezüglich der Auskünfte ehrlicher und näher an der Realität. Was hilft es mir, wenn man „ist schnell und problemlos möglich“ am Telefon zu hören bekommt und vor Ort wird dann eine langwierige Schrauberei daraus.

Ich habe nun wieder volles Licht und gerade einmal 12,95 Euro gezahlt. Zudem war ich innerhalb von 15 Minuten wieder verschwunden. Das nenne ich Kundenservice! Danke, Opel!

Veröffentlicht am 12. November 2012 in Auto und Verkehr, Persönliches und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 4 Kommentare.

  1. Ich finde es viel schlimmer, dass man für nen ollen Lampenwechsel heutzutage eine Werkstatt braucht. Die Autohersteller sind doch nicht ganz dicht.

  2. Die Werkstatt braucht man nicht unbedingt.
    Im Web fand ich eine gute Anleitung, wie das beim Astra zu machen ist.
    Da der Einbau aber im Materialpreis enthalten war, habe ich natürlich nicht selbst Hand angelegt.

    Gebe Dir aber Recht. Bei einigen Fahrzeugen muss in der Tat einiges zerlegt werden und wer da nicht eine gewisse Erfahrung mitbringt, der hat nach dem Zusammenbauen nicht nur ein paar Schrauben übrig. 😉

  3. Solche Erfahrungen hört man sehr oft. Wie kann das sein, dass eine solche große Werkstattkette, so ein schlechten Kunden-Service haben kann. Dies erklärt, finde ich, warum es ATU momentan so schlecht geht. Ich verfolge dieses Thema immer wieder und finde oft sehr gute Artikel bei Finance Magazin. Falls jemand Interesse hat, hier ist der Link: http://www.finance-magazin.de/themen/atu/
    ATU kämpft momentan ums Überleben, ständig werden mehr Beschäftigte entlassen und das schlimme ist, dass keine langfristige Überlebenschance gesehen wird.

    Gruß

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