Die Ärzte in Bielefeld

Einmal ist keinmal und auf einem Bein kann man nicht stehen. Stimmt doch, oder?!
Gründe gab es genug und nachdem wir Mitte des Jahres bereits die Beste Band der Welt in der Lanxess-Arena in Köln erleben durften, freuten wir uns über die Möglichkeit, Die Ärzte in diesem Jahr noch ein zweites Mal zu besuchen. Dieses Mal stand die Seidenstickerhalle in Bielefeld auf dem Plan.

Einlass sollte um 18Uhr sein und so verschoben wir im Vorfeld den Zeitpunkt der Abfahrt zwei Mal um jeweils 30Minuten nach vorne, da niemand von uns jemals zuvor in der Seidenstickerhalle war und da es dort keine reservierten Sitzplätze in den Rängen gab und wir am Ende natürlich nicht in der hintersten Ecke sitzen/stehen wollten. In unserem hohen Alter stellt man sich nicht mehr in die erste Reihe direkt vor die Bühne. Die Zeiten sind vorbei. Wir bevorzugen die ruhigeren Gefilde auf den Rängen mit guter und freier Sicht und ausreichend Platz. In Köln war unser Platz bestens gewählt. Seitlich, leicht erhöht über der Bühne mit einem hervorragenden Blick auf die drei Hauptakteure und vor allem ohne die Gefahr fremde Ellenbögen o. ä. ins Gesicht oder sonst wohin zu bekommen.

Aus diesem Grund wollten wir auf jeden Fall frühzeitig ankommen. Wir machten uns also zu viert im kleinen Familien-Zweitwagen auf den beschwerliche Weg 100 km Richtung Norden durch starken Regen in die unbekannte Stadt von der wir gar nicht sicher waren, ob sie nun auch wirklich existiert. Über Bielefeld erzählt man sich ja so manches.

Pünktlich um 18Uhr fuhren wir in das Parkhaus, zahlten brav die geforderten 5 Euro Parkgebühr und stellten uns in der Schlange an. Zum Glück hatte es aufgehört zu regnen und so war das Warten in der etwa 250m langen Schlange noch recht angenehm. Nach dem üblichen Abtasten und Kontrollieren betraten wir die Halle, die ich mir irgendwie größer vorgestellt hatte. Es war alles recht übersichtlich und nicht im Ansatz mit den Hallen in Köln oder Dortmund zu vergleichen. Die Frage war nun, wohin mit uns? Innenraum? Ränge? Wo ist noch Platz? Wo kann man gut sehen?

Wir bezogen unsere Plätze auf den Rängen im hinteren Bereich der Halle. Dank der übersichtlichen Größe der Halle konnten wir auch von dort aus alles gut einsehen. So warteten wir gespannt auf den Start des Konzerts und früher als gedacht wurde es in der Halle schlagartig dunkel und Farin Urlaub betrat wenig später die Bühne und kündigte die Vorband an – „Dampf Maschine“ aus Osnabrück.
Was nach seiner Anmoderation dargeboten wurde, traf nicht so wirklich meinen bzw. unserem Musikgeschmack. Sie selbst beschreiben den Stil als „Noise Rock“ und genau das trifft es für mich mitten ins Schwarze. Noise – Geräusch. Und mehr war es auch nicht. Die Musik allein wäre nicht ganz so schlimm, wenn der Sänger nicht so überaus unbegabt ins Mikrofon gebrüllt hätte. Wir alle und ein Großteil der Fans waren froh, als die Geräusche verstummten und man die Bühne für die Beste Band der Welt herrichtete.

Kurze Zeit später ging es los und zu unserer Freude und zum großen Kontrast zum Konzert in Köln spielten die Drei viele Stücke aus längst vergessenen Tagen (Rod: „Das Beste der 80er und 90er Jahre!“). Textsicher wie wir sind, konnten wir selbst die alten Stücke problemlos mitsingen, aber genau hier lag auch ein Problem. Ein großer Teil der Fans konnte mit den Titeln wohl nicht ganz so viel anfangen und so war die Stimmung bei diesen Titeln eher verhalten bis teilnahmslos. Zudem hatte der Block in dem wir Platz nahmen, das ganze Konzert über eher etwas von einem Seniorennachmittag. Viele standen einfach nur teilnahmslos herum, andere saßen im wahrsten Sinne des Wortes die Zeit auf den Sitzen ab und wieder andere lehnten mit gelangweilten Gesichtszügen an der Balustrade. Kaum jemand dessen Körper sich wenigstens ansatzweise zur Musik bewegte oder dessen Arme gar den Weg über den eigenen Kopf fanden. Ein Pärchen hinter uns hatte wohl ein festes Abo an der Getränketheke, denn nach spätestens jedem dritten bis vierten Titel bahnte sich einer von ihnen den Weg umständlich an uns vorbei, um neue Getränke zu holen.

Zum Ausgleich war zumindest die Akustik in der Halle klasse. Die Auswahl der Songs super und die üblichen Sprüche und Ansagen von Bela, Farin und Rod waren auch wieder äußerst unterhaltsam. Die Stimmung in der Halle war aber eher übersichtlich. Man hatte das Gefühl, als wären viele eher unfreiwillig gekommen oder sie müssten nur ihre Zeit totschlagen. Auch den Berlinern auf der Bühne ist das aufgefallen und Bela bedankte sich einige Male für die „höfliche Stille“ der Menge im Innenraum.

Nach einer, aus meiner Sicht, wirklich tollen Show mit 38 Titeln (Setlist) inkl. drei Zugaben ging das Licht in der Halle wieder an und alles strömte in Richtung Ausgang. Um genau 0 Uhr saßen wir im Auto und machten uns auf den Heimweg.

Ein toller Abend. Danke, Bela. Danke, Farin. Danke, Rod.

Und… Bielefeld, an der Stimmung solltest Du noch etwas arbeiten. Da ist noch eine Menge Luft nach Oben.

Veröffentlicht am 6. November 2012 in Konzerte, Musik und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Ein Kommentar.

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