D-Link Webcam DCS-2230 getestet. Finger weg!

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Bild von DAVID BURILLO via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Räume im Haus überwachen. Schauen, wer vor der Haustür steht. Ein Blick aufs eigene Grundstück.

Es gibt ja nicht nur einen Sinn und Zweck, um eine Webcam zu betreiben. Die Kameras fügen sich heute in aller Regel problemlos in das eigene Netzwerk ein, so dass man die geschossenen Bilder oder Videos problemlos im eigenen Netzwerk oder auch auf einem Webserver im Internet speichern kann.

Ich selbst plante schon lange die Anschaffung einer solchen Webcam, fand bislang aber nicht das richtige Modell für meine Anforderungen. Die meisten der aktuell angebotenen und noch einigermaßen bezahlbaren Modelle wirken meist billig und eher minderwertig, wenn man allein das Design und das Material des Gehäuses betrachtet. Selbst bei Kameras, die mehr als 200 Euro kosten, bekommt man größtenteils nur billige Plastikteile, bei denen selbst die Schraubgewinde für die Arretierungen aus Kunststoff hergestellt sind. Ich kann mir da nicht vorstellen, dass so etwas lange hält und nicht vorzeitig bricht oder ausleiert.

Nun hatte ich aktuell die Gelegenheit eine dieser Webcams testen zu können.

Es handelte sich dabei um die DCS-2230 aus dem Hause D-Link. Eeine FullHD-Kamera mit einem 2 Megapixel CMOS-Sensor, 10x digitalem Zoom, LAN/WLAN-Anbindung (802.11n), SD-Kartenslot, Infrarot-LED, Power-Over-Ethernet (PoE) u.vm. Also eigentlich alles, was man allgemeinhin benötigt. Der Preis lag bei knapp 200 Euro.

Vorweg, die Spannungsversorgung über das Netzwerk (PoE) funktionierte bei der Kamera nicht. Der Netzwerk-Switch war passend konfiguriert, aber die Kamera blieb trotz mehrfacher Versuche stumm. Nur durch das mitgelieferte Netzteil war die Kamera nutzbar. Aber von so kleinen Rückschlägen will man sich ja nicht sofort bange machen. Also weiter…

Die Grundeinrichtung der DCS-2230 gelang ohne große Probleme. Einstecken – läuft.
Die Kamera erhält vom DHCP-Server (in der Regel der Router) eine IP-Adressen und über diese ruft man dann die Weboberfläche auf, um das Gerät einzurichten. Der Zugriff über den Firefox funktionierte zwar, bot aber nicht Zugriff alle Funktionen. Erst durch den gezielten Einsatz des Internet Explorer ließen sich alle Funktionen aufrufen und anpassen. Grundsätzlich beschränkt sich die Sprache der Weboberfläche auf Englisch. Weitere Sprachen sind nicht verfügbar (siehe Abbildungen).

Die Kamera unterstützt viele verschiedene Möglichkeiten, die gemachten Fotos zu speichern. Dazu steht ein SD-Kartenlos für MicroSD-Karten zur Verfügung. Außerdem lassen sich Fotos auf einem Netzlaufwerk im eigenen LAN, auf einem FTP-Server im Internet speichern oder per E-Mail versenden. Ich plante, die Bilder auf meinem Webserver zu speichern, um auch vom Büro aus darauf zugreifen zu können. Dazu richtete ich auf meinem Webserver einen zusätzlichen FTP-Zugang ein, vergab Benutzername und Kennwort und konfigurierte danach die entsprechende Funktion der Kamera. Allerdings schlugen sämtliche Versuche fehl, die Bilder auf den Server zu speichern (siehe Abbildungen). Mindestens ein Dutzend Mal tippte ich die Zugangsdaten ein, startete einen Verbindungstest und es endete immer mit der Meldung „Test Error“. In einigen Foren und Produktrezensionen stieß ich dann auf Einträge, die genau dasselbe Problem beschrieben. Ich war damit also nicht allein. Am Ende entschloss ich mich die Bilder auf mein Storage im Netzwerk zu speichern. Die Kamera blickte dabei durch das geschlossene Fenster nach draußen und sollte im zwei Minutentakt je ein Bild speichern.

Die Bilder sind bei Tageslicht absolut in Ordnung, wenngleich etwas farbschwach. Wenn es aber dämmert oder nur wenig Licht zur Verfügung steht, dann erkennt man ein recht starkes Bildrauschen (siehe Abbildungen). Für den Einsatz in geschlossenen Räumen lässt sich nachts zusätzlich eine Infrarot-LED zuschalten, die den Raum „ausleuchtet“. Die Bildqualität ist dabei recht gut und genügt sicher den allermeisten Anforderungen.

Die Kamera besitzt auch einen digitalen Bewegungssensor. Damit lässt sich über die Weboberfläche ein Bereich markieren, der permanent auf Bewegungen überwacht wird. Bei entsprechenden Bildänderungen werden einzelne Bilder, Bilderserien oder auch eine Videosequenz aufgezeichnet. In dunklen Räumen mit eingeschaltetem Infrarotlicht zeigte sich allerdings das Problem, dass die Kamera unabhängig von der eingestellten Sensibilität auch bei fehlender Bewegung sehr häufig Fotos und Videos aufnahm. Zudem schaltete sich sporadisch (teilweise mehrfach pro Stunde) die Infrarot-LED für einige Sekunden ab, so dass man auf den Bildern nichts mehr erkennen konnte. Durch diese Bildänderungen nahm die Kamera weitere Bilder auf und so befanden sich am Ende einige tausend Bilder auf dem Server und nur etwa 20-30 Bilder zeigten wirklich relevante Dinge.

Merkwürdig ist zudem, wie man die Dateiablage im Hause D-Link organisiert. Die Kamera legt im gewählten Zielordern zunächst einen Ordner namens „Picture“ an. Darunter fügt sie für jeden Tag einen Ordner hinzu (z.B. „20140308“ für den 08.03.2014). Darin landen allerdings noch nicht die Fotos des genannten Tages, es werden für jede Stunde des Tages weitere Unterordner erzeugt (siehe Abbildungen). Will man die Bilder eines ganzen Tages sehen, so muss man immer wieder den Dateiordner wechseln, was auf Dauer verdammt nervig wird.
Weiterhin lässt sich zusätzlich das genaue Datum und die Uhrzeit im Dateinamen ausgeben, wobei aber noch weitere Ziffern angehangen werden, was nicht unbedingt zur einfacheren Suche eines bestimmten Zeitpunkts beiträgt. So wurde das Bild mit dem Namen „C20140308_235336_0922.jpg“ am 08.03.2014 um 23:53:36 Uhr gemacht. Die Angabe „_0922“ – erschließt sich mir an dieser Stelle nicht.

 

Mein Fazit fällt insgesamt recht einfach aus: Finger weg!

+ Hohe Bildauflösung
+ Gute Bildqualität bei Tageslicht
+ Gute Bildqualität bei Dunkelheit bei Einsatz der Infrarot-LED
– Stromversorgung via Netzwerk funktioniert nicht
– Verbindung mit einem FTP-Server schlägt permanent fehl
– Kamera speichert grundlos Massen an Fotos bei aktiviertem Bewegungssensor
– nur englische Bedienoberfläche
– unlogische Dateienamen
– Bei geringem Umgebungslicht stark verrauschte Bilder
– Knopf für Werkseinstellungen auf der Rückseite ohne Funktion

Bei einem Preis von 200 Euro erwarte ich eigentlich schon etwas mehr. Die Kamera und vor allem die Konfigurationsoberfläche wirken stellenweise wenig durchdacht und eher mit der heißen Nadel gestrickt. Trotz eines Firmware-Updates konnte keine der mir bekannten Probleme behoben werden.
Aus meiner Sicht fügt sich dieses Produkt sehr gut in die anderen Produkte von D-Link ein. Denn mir ist bislang keines in die Hände gekommen, das ordentlich durchdacht, logisch und voll funktionsfähig wäre.

 

Veröffentlicht am 9. März 2014 in Hardware, IT und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 6 Kommentare.

  1. Daniel Hoffmann

    Hallo Axel,

    kann ich nur bestätigen, D-Link wird dem Ruf eines „Billig-Herstellers“ mehr und mehr gerecht…. ich hatte zwar bisher nur ähnliche Modelle von D-Link hier, aber alle, wirklich alle hatte irgendwo Probleme (zum Teil sogar so weit, daß ganze Netzwerke lahmgelegt wurde…)

  2. Hallo Axel,
    wir hatten das gleiche Problem bei den Außenaufnahmen, wenn es dunkel war. Bei den ganzen Mängeln ist der Preis absolut ungerechtfertig. Auch mein Fazit lautet: Finger weg.
    VG Sebastian

  3. Kann deinen Bericht nur bestätigen

  4. Hallo Axel,
    vielen Dank für den ausfürlichen Bericht.
    Interessant wäre, welche Kamera Du jetzt im Einsatz hast?

  5. Ich habe für Deinen Kommentar zu danken, Michael. 😉
    Mometnan habe ich keine Kamera im Einsatz, da sich der Grund für den Einsatz erledigt hat. Mitlerweile gibt es ja aber auch andere Kameras, die weitaus besser arbeiten. Selbst getestet habe ich bisher keine.

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