Vom Lesen, Verstehen und Versenden

B-Sides 124

Bild von Bark via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Es hätte alles so einfach sein können. Wenn, ja wenn, der eine richtige lesen und verstehen und der andere dann seine Arbeit korrekt erledigen würde. Aber so bleibt es an allen Enden mal wieder auf der Strecke und ich muss an zwei Fronten gleichzeitig kämpfen.

Was war geschehen?
Es war eine ganz normale Auktion auf Ebay. Nichts Besonderes. Ich versende alles was ich via Ebay verkaufe grundsätzlich nur innerhalb Deutschlands, da ich hier weiß, wie hoch die Versandkosten sind und dass die Sendungen in der Regel auch zuverlässig ankommen. Bisher habe ich dabei alles mit Hermes verschickt. Von der ein oder anderen kleinen Verzögerung einmal abgesehen, war Hermes bislang immer sehr zuverlässig. Zumal ich die Versandetiketten selbst zuhause drucken kann und mir so das Ausfüllen irgendwelcher Versandaufkleber spare. Können andere auch? Ok, mag sein. Aber bislang gab es keinen Grund über einen Wechsel nachzudenken. Der Kunde ist glücklich und zufrieden.

Die besagte Auktion war also vorbei und ich erhielt die obligatorische Mail von Ebay mit den Details zum Verkauf. Mit dem erzielten Preis war ich zufrieden und ich schaute nach, wohin ich denn das Paket senden sollte. Luxemburg?! Hat Luxemburg seine Eigenständigkeit aufgegeben und gehört nun zu Deutschland? Wohl kaum. Also hat sich mal wieder jemand nicht die Mühe gemacht, alle Informationen und Bedingungen der Auktion zu lesen und auch zu verstehen. Ebay-Versand

Ich habe zur Sicherheit noch einmal die Angaben in der Auktion geprüft, um wirklich sicher zu sein, dass ich diese Angabe zum Versand nicht versehentlich selbst vergessen habe. Das war aber nicht der Fall und so schrieb ich dem Herrn aus Luxemburg, dass ich ihm aus besagten Gründen leider nicht mit einem Paket beglücken werde. Ich formulierte meine Mail in Englisch, da ich dem Französischen dann doch nicht wirklich mächtig bin und ich nicht erwarten konnte, dass er Deutsch versteht. Wenig später erhielt ich mehrere Antworten auf Französisch, die ich erst durch den Google Übersetzer jagen musste, um den Inhalt verstehen zu können. Er würde die Differenz der Versandkosten bezahlen und ich solle ihm doch bitte das Gerät zusenden. Auf meine Rückfrage, ob er denn die Einschränkung bezüglich des Versands gelesen hätte, antwortete er nicht. Überhaupt waren seine Antworten immer nur sehr knapp formuliert und wenn er einmal in englischer Sprache schrieb, dann war das meist noch verwirrender, als der Weg über den Google Übersetzer.
Zwischenzeitlich habe ich dem Zweitplatzierten angeschrieben und ihm das Gerät angeboten, erhielt von ihm aber keine Antwort. So akzeptierte ich zähneknirschend das Angebot aus Luxemburg und erhielt kurze Zeit später die Bestätigung von Paypal, dass der Geldtransfer erfolgreich stattgefunden habe. Die zusätzlichen 15€ hatte mit eingerechnet. Na, immerhin.

Ich druckte also einen internationalen Paketschein und brachte das Paket zum nächsten Hermes Paketshop. Für 19,80€ verschwand das Paket hinterm Schalter und ich war froh, dass das Thema dann doch noch ein gutes Ende genommen hatte.

Hermes-LX-Tracking

Zu früh gefreut, denn eine Woche später prüfte ich über die Sendungsverfolgung, ob das Paket wohl schon sein Ziel erreicht hat. Der Status besagte, dass es in der Hauptumschlagbasis in Kassel sei; und das schon seit sechs Tagen. Da stimmt doch was nicht. Innerhalb Deutschland sind die Pakete immer nach spätestens drei Tagen am Ziel. Jetzt soll es nach einer Woche nicht einmal an der Basis angekommen sein?
Ich fragte den Käufer in Luxemburg, ob das Paket evtl. schon bei ihm angekommen sei. Wieder kam die Antwort in einem wirren Englisch, wobei jedes dritte Wort NO war und so ahnte ich schon, dass es wohl noch nicht angekommen sei. Ich bat ihn um etwas Geduld, erhielt daraufhin aber nur drei weitere Mails, die ich inhaltlich nicht so ganz nachvollziehen konnte. Hätte er doch lieber auf Französisch geschrieben. Seis drum… Wobei ich mich gerade frage, wie er denn Auktionstext lesen konnte. Er spricht ja nicht einmal richtig englisch, von Deutsch mal ganz zu schweigen.

Das Ausfüllen einer Serviceanfrage bei Hermes stellte mich zunächst vor das Problem, eine geeignete Webseite zu finden. Denn so einfach macht es Hermes seinen Kunden leider nicht. Nach einiger Klickerei durch die FAQs, fand ich dann das entsprechende Formular, füllte es aus und wartete 48 Stunden auf eine Reaktion. Aber es gab nicht einmal eine Bestätigung, dass mein Anliegen bearbeitet oder überhaupt empfangen wurde. Ich wählte nun den Weg über die kostenpflichtige Supporthotline. Nach dem zweiten Freizeichen hatte ich direkt eine freundliche Dame am Telefon, die sich für die Probleme entschuldigte und alle notwendigen Daten aufnahm. Sie würde den Fall an die Fachabteilung für internationale Sendungen weiter geben und von dort soll ich im Laufe des Tages zurückgerufen werden. Und genau an diesem Punkt stehe ich nun und hoffe, dass das Handy in den nächsten Stunden klingelt. Bisher tat es das natürlich nicht.

Resümee: Ein Luxemburger, der auf eine Auktion bietet, deren Sprache er nicht versteht. Der eine Ware kauft, die eigentlich nicht ins Ausland geliefert wird und dazu ein Paketdienst, der das Paket verbummelt und bis jetzt noch nicht ausgeliefert hat.

Hier hat Murphy mal wieder so richtig zugeschlagen. Wenn, dann auch richtig. Zukünftig werde ich nichts mehr ins Ausland versenden. Ausnahmslos. Nie wieder!

… [UPDATE 08.12.2014] …

Nach meinem Anruf bei Hermes am 24.11. mit der Bitte einmal nach dem Paket zu suchen, geschah tagelang nichts. Der versprochene schnelle und kurzfristige Rückruf aus der „Fachabteilung“ erfolgte natürlich nicht. Damit habe ich auch nicht wirklich gerechnet. Ich habe am 26.11. noch einmal nachgefragt und erhielt dort die Auskunft, dass man immer mindestens eine Woche Zeit benötigt. Aber auch die verstrich und mein erneutes Nachfragen am 5.12. brachte wieder keine ordentliche Aussage.
Heute erhielt ich vom Käufer nun eine Mail mit der Information, dass das Paket am Freitag angeliefert wurde. Knapp drei Wochen Lieferzeit für ein Paket nach Luxemburg. Respekt und Anerkennung.
Ich bin ja trotz allem froh, dass das Paket dann doch angekommen ist. Denn so einfach hätte Hermes den Wert des Pakets sicher nicht ersetzt.
Das nächste mal versuche ich es mit einem anderen Paketdienst, wenngleich Hermes innerhalb Deutschlands bisher immer sehr zuverlässig war.

Veröffentlicht am 25. November 2014 in Kurioses, Persönliches und mit , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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