Der geschenkte Gaul aus dem Baumarkt (+UPDATE)

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Bild von J via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Die Sache mit dem geschenkten Gaul kennt man ja. Es war ja auch gut und lieb gemeint und ich bin auch dankbar für dieses unverhoffte und hilfreiche Geschenk. Aber es bedurfte nicht einmal dem Blick in das Maul des geschenkten Gauls, um festzustellen, dass der Hersteller dieses (im wahrsten Sinne des Wortes) Vierbeiners hier total versagt hat.

Ok, zu den Fakten: Es geht um Regale. Vier Baumarkt Regale. Genaugenommen um das STR-65-Z aus dem OBI-Hörnchen-Markt. Ein Kellerregal aus Metall mit fünf Böden und einer maximalen Belastbarkeit von 325kg. Die Verpackung selbst verspricht eine werkzeugefreie Montage, wobei auf der OBI-Webseite bei genau diesem Produkt zu Einsatz von Hammer und Schraubenzieher rät. Da scheint man sich wohl selbst nicht sicher zu sein, wie man hier nun am besten vorgehen sollte.

Das OBI Metall-Steckregal ist mit insgesamt fünf Böden ausgestattet und überzeugt durch hochwertige Qualität. Jeder einzelne Boden hat eine Tragkraft von bis zu 65 kg bei gleichmäßiger Verteilung. Dank des praktischen Stecksystems lässt sich das Steckregal schnell und einfach montieren. Das Steckregal findet jederzeit Einsatz in Keller, Garage oder Haushalt. Die Regalmaße betragen (H x B x T) 195 cm x 100 cm x 40 cm.

„Hochwertig, praktisch, schnel und einfach – Na, da kann dann doch nichts mehr schiefgehen, oder?! Also frisch ans Werk und mal schnell die vier Regale aufgebaut.

Die Regale bestehen aus gestanzten und gefalteten Blechen und Profilen. Bei der Montage muss man die Böden mit jeweils vier Laschen aus Stahlblech in die vorgesehen Schlitze in den Pfosten/Holmen stecken. Diese Laschen müssen erst durch einen oberen Schlitz im Holm von der Innenseite aus nach Außen geführt werden, dann durch einen anderen, weiter unten liegenden Schlitz wieder zurück auf die Innenseite. Das bei einem 100% glatt ausgestanzten Blechteil von <1mm Stärke!

Das Material ist dabei so dünn und die Prägeungenauigkeiten sind so groß, dass eine Lasche schon nach dem ersten Durch_den_Schlitz_Schiebe-Versuch (und es funktioniert nie auf Anhieb!) total verbogen ist. Sind sie einmal krumm, bekommt man sie in den zweiten unteren Schlitz kaum noch hinein, zumindest nicht von Hand. Die Bleche sind zudem an den Ecken relativ scharfkantig. Schnitte in Finger und Hand sind also vorprogrammiert und gehören wohl fest zum Aufbauerlebnis dieses Produkts.

Bei jedem Bodenblech muss man an jeder der vier Ecken zwei dieser Laschen durch die besagten Schlitze fummeln. Das Problem ist nur, dass sich beim Einfädeln der weiteren Laschen, die schon befestigten Ecken meist wieder lösen, weil das Material nicht wirklich verwindungssteif ist und die Laschen so wieder aus den Schlitzen herausrutschen. Unnötig zu erwähnen, dass wir pro Regal von insgesamt 40 dieser widerspenstigen Laschen sprechen.
Die Holme sind zweiteilig (je 90cm hoch) und werden mit einem Verbinder (10cm Blechstück) zusammengehalten. Nachdem man also zwei Teilregale zusammengesetzt hat, muss man beide Teile zu einem fertigen Regal zusammen stecken. Natürlich passen die vier Holmteile nicht sonderlich genau aufeinander, sondern stehen in alle möglichen Richtungen ab und man muss sie erst in die passende Richtung beigen, um sie mit den Verbindern zusammenzubringen.

Lange Rede – kurzer Sinn:
Nach einer gefühlten Ewigkeit hatten wir zu zweit ein (!) Regal fertig montiert. Schnitte in Fingern und Händen inklusive. Dazu der Verlust etlicher noch recht neuwertiger Nerven und einige nicht ganz jugendfreie verbale Entgleisungen meinerseits, die an die Entwickler dieses hochwertigen Qualitätsprodukts gerichtet waren.
Einige Zeit später wagten wir uns dann doch noch einmal an das zweite der vier Regale. Bis zur Hälfte sind wir dabei gekommen und haben dann abgebrochen, nachdem erneut Blut floss und die Situation zu eskalieren drohte.

Ich stehe nun in Verbindung mit dem hiesigen OBI Markt, um mindestens die zwei noch verpackten Regale umtauschen zu können. Eventuell klappt das ja auch ohne einen Kassenzettel. Da auf dem Regal ganz dick das OBI-Logo prangt, gehe ich aber davon aus, dass man meinem Wunsch nachkommen wird. Sehr gerne würde ich dann diese zwei Regale gegen ein gescheites und wirklich höherwertiges Modell eintauschen. Eines, dass man wirklich einfach und problemlos montieren kann und bei dem man sich nicht zwangsläufig verletzen muss.

Schlussendlich bin ich immer wieder verwundert, dass sich solche Produkte auf dem Markt halten können. Es kann mir niemand erzählen, dass es Kunden gibt, die gleich mehrere dieser Regale gekauft und montiert haben. Entweder man ersteht eines davon und schwört sich danach, nie wieder so einen Mist zu kaufen oder man gibt alle wieder zurück, was über die Menge eins hinausgeht.

Dann doch lieber ein einfaches und verschraubtes Holzregal. Das hat schon vor 100 Jahren für die Ewigkeit gehalten.

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Update vom 04.08.2015:
Nach Kontakt per E-Mail zur Filialleitung des örtlichen OBI-Marktes konnte man mir eine kulante Lösung anbieten.
Ich konnte die zwei noch verpackten und das bereits geöffnete Paket zurück geben und erhielt den Kaufpreis (akt. Aktionspreis 29,99Euro/Stück) zurück.
In dem Zusammenhang wies ich noch einmal darauf hin, dass die äußere Verpackung von einem werkzeugfreien Aufbau spricht, während der Beipackzettel im Inneren Schraubendreher, Hammer und Bohrmaschine als notwendige Werkzeuge nennt. Das Problem sei bekannt, liegt aber wohl an der fehlenden Einsicht des eigentlichen Herstellers.
Nun gut, ich bin mit dieser Abwicklung mehr als zufrieden und werde mir nun einen geeigneten und besseren Ersatz suchen. Danke, OBI!

Veröffentlicht am 28. Juli 2015 in Allgemeines, Persönliches und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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