Unitymedia und das Tarif-Upgrade

Schnell mal ins Netz!

Es ist immer wieder traurig und für mich nicht ansatzweise nachvollziehbar, wenn jemand eine gute Idee hat, diese umsetzt, aber elementare Dinge dabei vergisst oder schlicht ignoriert. Das Ergebnis ist dann für den Nutzer eher ernüchternd, als dass es ihn zufrieden stimmt.

 

Unitymedia kann dies besonders gut. Das jetzt sogar schon quasi in der zweiten Generation.
Seit einigen Jahren sind wir Kunde bei diesem Unternehmen und beziehen von dort das volle Programm: Internet, Telefon und TV.

Über die „Vorzüge“ des bisherigen HD Rekorders und andere Dinge habe ich in einem anderen Blogpost vor etwa zwei Jahren schon berichtet. Nun war das Unternehmen so freundlich, uns die aktuellen Tarife und Leistungen anzubieten. Neben einer aktuell verdoppelten Bandbreite ins Internet (200Down/10Up) gab es auch die Horizon Box für den TV Empfang. Der alte HD Rekorder ist damit arbeitslos und ein neues unglaubliches TV-Erlebnis soll sich uns offenbaren.

Die Vorfreude nach der Bestellung wuchs. Der Aktivierungstermin war für den 1. April vorgesehen und bereits am vergangenen Freitag (20.03.) klingelte der Postbote an unserer Tür und übergab mir ein großes Paket in dem die Horizon Box und eine neue Fritzbox verstaut waren. Ich freute mich über die frühzeitige Zustellung, stellte das Paket aber zunächst beiseite. Bis zum Aktivierungstermin waren es ja schließlich noch eineinhalb Wochen. Aber da habe ich wohl die Rechnung ohne Unitymedia gemacht. Um genau 19:08 Uhr wurde es auf der Mattscheibe schwarz und eine Meldung informierte mich darüber, dass die eingesetzte Smartcard nicht gültig oder falsch eingelegt sei. Ich ahnte dabei schon, dass man seitens Unitymedia wohl schon mit der Tarifumstellung begonnen hatte. Ich atmete einmal tief durch, holte das zuvor gelieferte Paket hervor und begann mit dem Auspacken der Horizon Box. Der alte Rekorder machte brav Platz und relativ schnell war das neue Empfangsgerät an Ort und Stelle verkabelt und die neue Smartcard eingelegt. Nach dem Einschalten empfing mich das so groß beworbene und hochgelobte Gerät mit der Meldung, dass es ca. 15 Minuten dauern würde bis es einsatzbereit ist. Wir verbrachten die Zeit derweil mit der Einnahme des Abendessens.

Nach etwa einer halben Stunde prüfte ich noch einmal den Status, der noch immer unverändert angezeigt wurde. Sollte es länger dauern, so solle man die Hotline anrufen. Dies war wohl unvermeidbar und so griff ich zum Hörer und nach nur 15 Minuten Wartezeit erfuhr ich dann, dass das Gerät nicht funktionieren kann, da der Auftrag noch nicht aktiviert sei. Der alte Auftrag ist deaktiviert worden, aber der neue stand noch immer auf den Umschalttermin am 1. April. Ich müsse jetzt aber auf jeden Fall auch die Fritzbox austauschen, da die Geräte nur in Kombination miteinander funktionieren würden. Unverhofft kommt oft. Also durchatmen und los.

Es ist ja nun nicht so, dass ich die alte Fritzbox mit den Standardeinstellungen betrieben habe. Neben der Telefonie und dem WLAN gab es auch einige weitere Einstellungen, die ich bei der Übernahme berücksichtigen musste (Fax, Anrufbeantworter, Telefonbuch, Portforwarding, DynamicDNS usw.). Hier erhoffte ich mir Hilfe durch die Möglichkeit, die aktuellen Einstellungen der Fritzbox in eine Datei exportieren und diese dann wieder in der neuen Box importieren zu können. Das würde mir viel Zeit sparen, die neue Box wieder direkt in Betrieb zu nehmen. Der Export der Konfiguration war natürlich kein Problem, aber der Import wurde mit der Information abgelehnt, dass es sich bei der Datei nicht um eine gültige Konfigurationsdatei handeln würde. War ja abzusehen. Also doch wieder alles von Hand einrichten. Bis dahin musste ich aber noch warten, bis Unitymedia die neue Fritzbox fertig vorkonfiguriert hat und der Internetzugang funktioniert. Während meine Jungs sich die Zeit mit einer Runde Mincecraft vertrieben („Papa, das kann man auch offline spielen!“) warteten wir gemeinsam auf die Fertigstellung. Eine halbe Stunde später war es dann soweit. Die Fritzbox meldete eine stabile Verbindung zum Internet und ich konnte endlich die Einstellungen vornehmen. Damit lies ich es für den Freitagabend bewenden. Spät genug war es zwischenzeitlich und morgen ist ja auch noch ein Tag.

Am nächsten Tag testete ich noch einmal den Internetzugang und die Bandbreite und war positiv überrascht, dass bei allen Download immer 20MB/Sek und mehr erreicht wurden. Gefühlt vor einem Jahr war es, dass wir bei 10kBit/sek mit offenem Mund vor dem Monitor standen und über diese irre Geschwindigkeit via ISDN und Kanalbündelung staunten. Jaja, der Fortschritt. Wo soll das noch enden? Das lies mich die bisherigen Probleme und Unwegsamkeiten des vorherigen Tages ein wenig vergessen.

Sony CVM-1225 Trinitron color monitor/receiver, 1975

Bild von Carbon Arc via flickr.com. Lizenz: Creative Commons

Nachdem der Internetzugang also in Ordnung war, begab ich mich an die Horizon Box. Diese hatte nun erfolgreich ihre Verbindung zum Internet gefunden und zeigte kurze Zeit später das aktuelle Fernsehbild. Hier ging es nun mit dem Anlegen der Favoritenliste weiter. Das war etwas, das ich bisher immer schon gehasst habe. Aber ich hatte die Hoffnung, dass mir diese hochmoderne Kiste die Arbeit dann doch etwas erleichtern würde. Aber das blieb nur ein Wunschtraum. Genau das Gegenteil war der Fall. Man hat es mit diesem neuen Gerät geschafft, die Verwaltung der favorisierten Sender noch umständlicher und schlechter zu realisieren, als es der alte HD Rekorder konnte. Standen mir mit dem alten Rekorder noch insgesamt drei (oder waren es sogar vier?) Favoritenlisten zur Verfügung, so ist es jetzt sage und schreibe genau eine. Also keine Trennung mehr zwischen den Lieblingssendern der Kinder und den Sport-Kanälen usw. Zudem gibt es keine Möglichkeit, die Liste der verfügbaren Sender in irgendeiner Weise zu sortieren, damit man sie schnell wiederfindet. Es gibt eine statische Liste, aus der man die Sender für die Favoritenliste auswählen kann. Ein seitenweises Blättern ist mit der Fernbedienung auch nicht möglich. Stück für Stück klickt man sich durch die Liste mit ihren 500 und mehr Einträgen. Immerhin kann man die Elemente in der Favoritenliste sortieren. Aber auch hier klickt man sich mit der Fernbedienung zum Kindermädchen. Dazu kommt noch, dass die Tasten der Fernbedienung häufig prellen, also gerne zweimal auslösen, wenn man die Taste nur einmal gedrückt hat. Es ist unnötig zu erwähnen, dass man die Senderliste auch bei diesem Gerät nicht exportieren kann. Sollte die Box also einmal ausgetauscht werden müssen, so darf die Favoritenliste wieder Stück für Stück zusammen gesucht werden.

Nun verfügt die neue Horizon Box auch endlich über funktionierende Netzwerkanschlüsse. Nachdem ich das Netzwerkkabel angeschlossen habe fingen die Probleme aber erst richtig an. Das iPhone meiner Frau verweigerte plötzlich den Zugang ins Internet. Einen direkten Zusammenhang sah ich anfangs nicht – wie hätte der auch aussehen sollen? Aber später stellte sich heraus, dass die Horizon Box die Ursache dafür war. Diese verteilt nämlich, obwohl dies in der aktuellen Betriebsform nicht der Fall sein dürfte, zusätzlich zu meiner Fritzbox fleißig IP-Adressen an die Clients im Netzwerk. Das wäre grundsätzlich kein Problem, wenn sie sich dabei nicht selbst als Standardgateway und DNS-Server eintragen würde, wodurch die Clients dann keine Verbindung mehr zum Internet haben. Trotz mehrfacher Kontrolle konnte ich keine Möglichkeit finden, den DHCP-Server in der Box sicher zu deaktivieren. Der Dienst hätte in der Funktion als Netzwerk-Client auch gar nicht aktiv sein dürfen, aber hier haben die Programmierer wohl etwas zu tief geschlafen. Ich habe die Horizon Box also erst einmal wieder vom Netz genommen, damit der Internetzugang für meine Geräte wieder funktioniert. Der Zugriff über das Netzwerk auf die Aufnahmen der Box ist damit aber erst einmal hinfällig, solange es dafür keine Abhilfe gibt.

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe weiterer Funktionen, die man verschlimmbessert hat. So muss man bei einem Film, der FSK16 oder FSK18 ist, erst die Jugendschutz-PIN eingeben, um erfahren zu können, um welchen Film es sich überhaupt handelt. Der alte HD-Rekorder hat dies wenigstens noch angezeigt, den Zugriff aber ohne PIN verwehrt. Die zweiseitige Fernbedienung ist insgesamt recht gut gelungen, allerdings reagieren die Tasten zu gleichen Teilen normal, verzögert, gar nicht oder gleich doppelt. Der 30€-Sat-Receiver im Schlafzimmer kann mehr, als dieser hochmoderne hochglanzpolierte Markenempfänger aus dem Hause Samsung.

Würden wir in Summe nun nicht sogar weniger pro Monat bezahlen, als noch zuvor, so würde ich denen die Horizon Box glatt wieder vor die Füße werfen. Das neue Design ist ja ganz schick, aber viele Funktionen hat man falsch oder nicht zu Ende programmiert. Wer gibt denn bei Unitymedia die Freigabe für den Verkauf?

Hier mal eine kleine Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile der Horizon Box im Vergleich zum bisherigen HD-Rekorder:

Vorteile:

  • Sehr kurze Umschaltzeiten.
  • Zügiger Start aus dem Standby-Modus heraus.
  • Funktionierender Netzwerkanschluss.

 

Nachteile:

  • Nur eine Favoritenliste.
  • Anzeige der Senderliste unnötig groß und damit nur wenige Elemente sichtbar.
  • Keine Sortiermöglichkeiten der gesamten Senderliste nach dem Alphabet.
  • Favoritenliste lässt sich nicht exportieren.
  • Tasten der Fernbedienung reagieren häufig nicht richtig.
  • DHCP-Serverdienst lässt sich nicht deaktivieren.

 

Im Laufe der Zeit kommt sicher noch das ein oder andere Thema hinzu. Ob es sich um einen Vor- oder Nachteil handeln wird, wird sich dabei noch herausstellen.

In diesem Zustand kann mich die Horizon Box auf jeden Fall nicht wirklich überzeugen. Bei dem Hype, den mal anfangs um die Kiste gemacht hat, hätte ich klar mehr erwartet.

Unschlagbar ist auf jeden Fall der schnelle Internetzugang. Wer sonst kann mir für den Preis 200Mbit liefern?
Ich glaube, dass ich einfach weniger Fernsehen sollte. 😀

Veröffentlicht am 24. März 2015 in Internet, Persönliches und mit , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 2 Kommentare.

  1. Glückwunsch wenn alles geklappt hat. Bei mir war die geplante, unkomplizierte Vertragsverlängerung eine absolute Katastrophe. Alles rückgängig gemacht weil mir Technicolor Elektronikschrott zugeschickt wurde. Vorher lang und breit darüber gesprochen, dass kein Wechsel der Hardware vorgenommen werden sollte. Es hat nichts geklappt.

  2. Irgendwie habe ich das Gefühl, je mehr Leute sich bei mir in der Siedlung Unitymedia anschaffen, desto schlechter das Internet bei mir. Früher lief alles einwandfrei 🙁

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