Wie ein Supermarkt die freie Presse bedroht

481159_10150984580079417_1708049949_nIn den letzten Wochen und Monaten mehrten sich Berichte über Supermärkte, Tankstellen und andere Geschäfte, die die Bild-Zeitung aus ihrem Sortiment entfernten. Die Gründe liegen für mich klar auf der Hand, denn auch ich kann und will mit dieser hetzerischen und einseitigen Art des Journalismus nichts zu tun haben. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ein Supermarkt in Chemnitz hat nun Post von seinem Lieferanten, dem Mitteldeutschen Pressevertrieb, erhalten, der ihm den Vertrag bezüglich der Lieferung von Zeitschriften kündigt. Begründet wird dies mit der Weigerung, die Bild-Zeitung anzubieten. Da der Mitteldeutsche Pressevertrieb über Gebietsschutzes verfügt, ist es dem Supermarkt nun auch nicht möglich, andere Zeitungen und Zeitschriften von anderen Lieferanten zu beziehen. Die Chemnitzer haben sich damit abgefunden und teilten über verschiedene Kanäle mit, dass sie an dieser Stelle nun lieber Kinderbücher, Malbücher und andere Buchtitel verkaufen wollen. Ich persönliche ziehe respektvoll den Hut vor dieser Entscheidung.

Einige andere Geschäfte, die die Bild-Zeitung auch nicht mehr verkaufen wollten, erhielten von ihrem Grossisten ebenfalls die Kündigung. Einige akzeptieren, wie der Chemnitzer Supermarkt, diese Kündigung und lassen die Regale nun leer, einige andere sind eingeknickt und haben sich dazu entschlossen, die Bild dann doch wieder anzubieten.

Der Mediendienst Kress geht nun aber einen Schritt weiter und vermeldet in einer Beitrag auf der Kress-Webseite: Supermarkt-„Bild“-Boykott bedroht freie Presse. Sascha Rheker hat auf seiner Blog die ganze Sache einmal hinterfragt auf den Punkt gebracht. Er beschreibt sehr lesenswert, dass selbst die Branchenprofis bei Kress wohl nicht in der Lage sind, die Begriffe „Zensur“ und „Pressefreiheit“ richtig zu verstehen. Es ist der Kampf der kleinen Händler gegen Branchenriesen mit Monopol-Status.

Ich empfinde es auch als ungerechtfertigt, einen Vertrag, der zudem unter Gebietsschutz fällt, zu kündigen, nur weil man ein Produkt aus tausenden nicht mehr verkaufen will. Theoretisch müsste dann ja jedem gekündigt werden, der nicht auch wirklich jedes Blatt der Welt in der Auslage hat. Aber hier scheint der Einfluss des Springer-Verlags doch etwas zu stark zu sein. Bei anderen und vielleicht auch kleineren Zeitungen hätte sicher niemand so einen Aufriss gemacht. Allein die Tatsache, dass es in dieser Branche Monopol gibt, ist schon mehr als problematisch. Entweder man akzeptiert die Bedingungen des Lieferanten oder man verkauft keine Zeitschriften und Zeitungen. Kaum zu glauben.

Ich würde mir wünschen, wenn viel mehr Händler ihre Auslagen von der Bild-Zeitung befreien würden, damit die Branche und vor allem der Springer-Verlag merkt, dass man mit so einem „Journalismus“ nicht punkten kann.

 

 

Veröffentlicht am 29. Mai 2015 in Allgemeines, News und mit , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. Hinterlasse einen Kommentar.

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